Veranstaltungsreihe „Bitte Folgen!?“

Aufruf: Das Wort „Autoritarismus“ geistert in den letzten Jahren in fast jeder Diskussion und Analyse als Schlagwort herum. Mal mehr, mal weniger differenziert wird es genutzt, um sich den Zustand der Welt zu erklären. Im umgangssprachlichen Gebrauch ist klar, was damit gemeint ist, aber um den Begriff wirksam als Analyseinstrument zu nutzen, brauchen wir mehr Tiefe und mehr Perspektiven auf diesen Begriff. Um herauszufinden, was Autoritarismus ist und was ihn so gefährlich macht, haben wir uns einige Gäste eingeladen, mit denen wir von Januar bis April bei vielen spannenden Veranstaltungen darüber diskutieren wollen. Seit den 1920er Jahren gibt es Forschung zu Autoritarismus und autoritärer Herrschaft, die damals von Max Horkheimer und Erich Fromm in Frankfurt vorangetrieben wurde. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und in Angesicht der Verbrechen des Holocaust widmeten sich dann Adorno und Else Frenkel-Brunswik der Thematik. 1950 veröffentlichten sie ihre „Studien zum Autoritären Charakter“, die als Meilenstein in der Psychoanalyse und der Erklärung der gesellschaftlichen Grundlagen des Holocaust gilt. Das hier entwickelte Autoritarismus-Konzept stellt noch heute eine zentrale Referenz der Vorurteilsforschung dar. Es geht darum, autoritäre Positionierungen im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Widersprüchen betrachten, in denen sie entstehen.  Es scheint, als ob die Welt in den letzten Jahren eine autoritäre Wende erlebt. Rechte Parteien kommen weltweit an die Macht, rechtsextremes Gedankengut ist überall weit verbreitet; Es folgt Krise auf Krise und ein selbsternannter Retter jagt den Nächsten. Dem scheinbar offeneren Neoliberalismus der letzten Jahrzehnte droht nun ein Autoritarismus zu folgen. Im 19ten und Anfang des 20ten Jahrhundert führten Arbeiter*innen harte gewerkschaftliche Kämpfe um Arbeitszeitverkürzungen und Arbeitsrechte. Die Form der Lohnarbeit, wie sie heute unser Leben bestimmt, wurde von diesen Kämpfen geprägt. Ihnen verdanken wir zum Beispiel den 8-Stunden-Tag oder das freie Wochenende. Mitte des 20ten Jahrhundert wandelte sich dann der Liberalismus zum Neoliberalismus. In den 1980er Jahren führte das in den Industrienationen dann zum Abbau des Sozialstaats und zur Herrschaft des „freien Marktes“. In den 2000er und 2010er Jahren wurden von links dann vor allem Kämpfe um individuelle und gesellschaftliche Freiheiten geführt und gewonnen. Die Ehe für alle, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung und die Abschaffung der Wehrpflicht  waren Erfolge dieser Kämpfe. Jetzt, wo sich die autoritäre Politik weltweit zuspitzt, soll es selbst diesen Errungenschaften an den Kragen gehen. Der 8-Stunden-Tag soll abgeschafft und die Wehrpflicht wieder eingeführt werden. Asylrecht wird immer weiter verschärft. Abtreibungen werden weltweit immer weiter kriminalisiert und der Kampf um eine gerechte Gesundheitsversorgung von Trans-Personen droht zu scheitern. Die Liste ist lang. Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, muss man verstehen, dass die kapitalistischen Zwänge nie weg gewesen sind. Die Unterdrückung von Menschen ist ihnen inhärent, das System bleibt auf Wachstum ausgerichtet. Vielleicht konnte der Neoliberalismus mit seinem individuellen Erfolgsversprechen und der Aneignung  emanzipatorischer Inhalte eine Zeit lang als harmloseres, fortschrittlicheres  System scheinen, aber in Zeiten der globalen Krisen tritt seine menschenfeindliche Natur hervor. Wir müssen also klären, wie Staat, Nation, Kapital und die ganze Scheiße zusammenhängen, um zu verstehen, wie diese Strukturen jede*n Einzelne*n und die ganze Gesellschaft betreffen. Denn in unserem Alltagsleben zeigen sich diese Strukturen jeden Tag aufs Neue. Wir müssen dem Zwang der Lohnarbeit nachgehen oder harte staatliche Strafen auf uns nehmen, ohne dass uns der Wert unserer Arbeit je ganz erreicht. Wir sind gebunden an einen Staat und seine Gesetze, die uns mit Repressionen drohen, wenn wir uns seiner Autorität widersetzen. Und auch im digitalen Raum formieren sich Faschist*innen zusammen mit „Alpha Males“ und KI Bots zu einer lebensfeindlichen Front.  Nicht zuletzt hält die autoritäre Wende auch in der linken Bewegung Einzug, obwohl doch eigentlich Emanzipation und Autoritarismus einen Widerspruch darstellen müssten. Die autoritäre Formierung macht sich in unserer kleinen Stadt deutlich bemerkbar. Stadträte klagen gegen queere Ampelmännchen, mit der KUFA droht unser einziges Sozio-Kulturzentrum dichtzumachen. Die AfD wird stärker, es wird diskutiert das Boschwerk zur Rüstungsfabrik umzubauen und erst im September 2025 wurde ein bewaffnetes Neonazi-Netzwerk aus Cops und Soldaten in der Region aufgedeckt. Es scheint überfällig, sich eingehend mit dem Konzept „Autoritarismus“ auseinanderzusetzen. Wir haben versucht, ein ausgewogenes Programm auf die Beine zu stellen, mit Einführungsveranstaltungen und auch einigen Vorträgen, die sich mit ganz konkreten Fragen beschäftigen. Wir freuen uns schon sehr auf die Reihe und am meisten natürlich auf euren Besuch! 

Infektionsschutz: Wir wollen unsere Räume so sicher wie möglich für alle gestalten. Daher finden unsere Veranstaltungen mit FFP2-Masken statt. Bitte bleibt bei Erkältungssymptomen Zuhause. Solltet ihr aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, könnt ihr diese natürlich weglassen. Wer richtig cool ist, macht noch einen Schnelltest.

Daniel Kulla wirft einen Blick auf den Elefanten im Raum: den bürgerlich-kapitalistischen Nationalstaat, seine herrschende Klasse und ihre Staatsgewalt sowie die ideologischen Erzählungen, mit denen das alles gerechtfertigt wird. Gemeinsam wollen wir uns auf eine kritische Reise von der Nationalhymne, über die Symbole hin zu den Traditionen der BRD begeben. Was ist passiert, wie wird es erzählt, wie sieht dieses Unmarkierte, Selbstverständliche, das vorausgesetzt und meist unhinterfragt „Normale“ der BRD aus? 

Mit den im Grundgesetz garantierten Rechten Freiheit, Gleichheit und Privateigentum schafft der bürgerliche Staat die Grundlage für das kapitalistische Wirtschaften. In unserer Gesellschaft sind Freiheit und Gleichheit omnipräsent und werden als sehr wichtige Errungenschaften hochgehalten. Der Staat stellt diese Prinzipien, vor allem in Abgrenzung zu autoritären Regimen, ständig heraus und Deutschland wird aktuell wehrfähig gemacht, um „unsere Freiheit“ zu verteidigen.  Deswegen wollen wir in dem Workshop die einzelnen Rechte genauer analysieren und uns erarbeiten, was der Staat einem da für Rechte und Pflichten auferlegt und wie diese mit der ökonomischen Konkurrenz zusammenhängen. Wir wollen zeigen dass Freiheit und staatliche Herrschaft keine Gegensätze sind, sondern im Gegenteil die bürgerliche Freiheit eine staatliche Herrschaft benötigt, warum die kapitalistische Produktionsweise notwendig ein garantiertes Privateigentum braucht und welche Härten für die Bürger*innen durch Eigentum, Freiheit und Gleichbehandlung vor dem Gesetz entstehen.

2026 könnte das Jahr werden, in dem in Deutschland erstmals seit der Niederlage des deutschen Faschismus eine rechtsextreme Partei Regierungsverantwortung bekommt. In den Umfragen zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt steht die AfD derzeit bei 41 Prozent. In Thüringen ist sie bereits im Herbst 2024 stärkste Kraft geworden, in Sachsen landete sie nur ganz knapp hinter der CDU. Das faschistische Potenzial der deutschen Gesellschaft tritt derzeit so offen zutage wie seit dem Ende des Nationalsozialismus nicht mehr. Parallel zum Erfolgskurs der extremen Rechten wird auf Seiten der Konservativen immer lauter das Ende der „Brandmauer“ gefordert, die sowieso schon immer sehr löcherig war. Um den Aufstieg der AfD verstehen zu können, muss man ihn als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen autoritären Entwicklung begreifen, die bereits weite Teile der Gesellschaft erfasst hat und sich bis in die politische Mitte beobachten lässt. Denn der sogenannte Rechtsruck misst sich nicht nur daran, wie viele Menschen in Wahlen der AfD ihre Stimme geben, sondern vor allem daran, in welchem Maße Themen, Positionen und Begriffe der extremen Rechten Eingang in den Mainstream gefunden haben – und wie viel Widerspruch sie dort noch erfahren. Die AfD ist nur Symptom dieser Entwicklung, aber nicht ihre Ursache. In dem Vortrag wird der Aufstieg der AfD im Kontext von Krise und gesellschaftlicher Rechtsentwicklung betrachtet und auf das weit verbreitete autoritäre wie identitäre Bedürfnis eingegangen, aus dem sich der aktuelle Erfolg der extremen Rechten speist. Thorsten Mense ist promovierter Soziologe und freier Journalist. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nationalismus, rechte Bewegungen und Autoritarismus. Zusammen mit Judith Goetz hat er im Herbst 2024 den Sammelband »Rechts, wo die Mitte ist. Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus« herausgebracht. 

Der Vortrag beleuchtet die Ansätze der Frankfurter Schule zu Autoritarismus. Dabei nimmt er aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zum Anlass: der weltweite Aufstieg rechtspopulistischer Parteien, Gewalt gegen queere Menschen und migratisch gelesene Menschen, Angriffe auf reproduktive Rechte und eine Migrationspolitik, bei der weiter Menschen an den Grenzen Europas sterben. Die Ansätze der Frankfurter Schule werden herangezogen, um zu veranschaulichen, was Autoritarismus ist und warum er so erfolgreich ist, welche Einstellungen sich in der sogenannten Mitte der Gesellschaft finden und welche Handlungsoptionen gegen autoritäre Entwicklungen bestehen.

In Progress ist eine antikapitalistische Gruppe aus Braunschweig und Mitglied im bundesweiten „Ums Ganze!“ Bündnis. 

Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Besser lassen sich Anspruch und Programm menschlicher Emanzipation nicht auf den Punkt bringen. Wenn der Begriff Links Sinn hat, dann diesen. Oft sehen linke Theorie und Praxis jedoch ganz anders aus. Was längst überwunden sein sollte, lebt auch in vielen linken und linksradikalen Strukturen und Denkweisen fort: Die Herrschaft von Zwangsgemeinschaften und von Menschen über andere Menschen. Das kann sich in Männlichkeitskult und sexistischem Verhalten äußern, in der Vorliebe fürs Agitieren statt fürs Argumentieren oder in der Vorstellung, antifaschistische Akteur*innen seien stets im Recht, was auch immer sie tun. Aber auch im Glauben, man sei zur „Führung der Arbeiterklasse“ berufen. Der Griff in die Mottenkiste staatssozialistischer Parteidiktaturen und Sympathie für autoritäre Führergestalten wie Lenin liegen da oft nahe. Der Glaube, „die Klasse und das Volk“ brauche eigentlich nur die richtigen Führer, korreliert zudem mit zwei ebenso absurden wie folgenreichen Fehleinschätzungen: Nationalsozialismus und Antisemitismus seien die Folge rechter Verführungskünste und bürgerlich-rechtsstaatliche Verhältnisse seien letztlich ebenfalls „faschistisch“. Arbeiter*innen sind nicht von Autoritären und Faschisten „verführt“, sie haben ihren eigenen Kopf. Können sie ihre Arbeitskraft nicht verkaufen, ist ihr Lebensunterhalt gefährdet. Dieser Zwang ist eine Brutstätte des Autoritarismus. Zumal in Krisenzeiten. „Wer setzt sich durch – ich oder du, wir oder sie?“ Die rechte Welle entspringt der menschenfeindlichen kapitalistischen Ellenbogenkonkurrenz. Der Referent entwickelt Essentials eines Antifaschismus, der aus eigenen Fehlern lernen, der autoritären Welle mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten und Perspektiven für eine bessere Welt aufzeigen kann.

Lothar Galow-Bergemann begann 1971 in der Krankenpflege zu arbeiten und war aktiver Gewerkschafter und Personalrat im Klinikum Mannheim und im Klinikum Stuttgart. Er hält die Überwindung des Kapitalismus für dringender denn je, kennt aber auch die Verirrungen linker Holzwege und glaubt, man sollte aus ihnen lernen. 

Was hat der Kapitalismus mit autoritärer Formierung zu tun? Diese Frage bearbeitet der Workshop aus Perspektive der Arbeit. Das Leben und der Alltag der großen Mehrheit der Menschen ist davon bestimmt, dass sie ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Werktag für Werktag, Jahr für Jahr, werden sie gefordert und müssen die vielfältigen Zumutungen der Lohnarbeit ertragen. Dabei sind sie einem kapitalistischen Normalvollzug, der undemokratisch organisiert ist und ihre konkreten Bedürfnisse ignoriert, unterworfen. Diese Zumutungen bringen in ihrer Form als Autoritäts- und Herrschaftsverhältnisse autoritäres Denken hervor und befeuern die Entstehung autoritär rechter Bewegungen. Dieses Verhältnis werden wir in unserem Workshop am Beispiel des Nationalsozialismus beleuchten. Dabei werden wir uns mit dem nationalsozialistischen Arbeitsethos auseinandersetzen, das Arbeit wesentlich als Selbstzweck, als sittlich-moralisches Gebot und vor allem als Aufopferung für die Volksgemeinschaft begriffen hat. Wir werden sehen, dass ein spezifisches Verständnis von Arbeit zu antisemitischer, antiziganistischer und sozialchauvinistischer Ausgrenzung und Vernichtung führte und sich heute aktualisiert in autoritären Bewegungen und Ideologien wiederfindet. Vor diesem Hintergrund werden wir uns mit radikaler Arbeitszeitverkürzung auseinandersetzen. Auch weil diese Forderung den deutschen Arbeitsethos und Vorstellungen, wonach wir Unternehmer:innen unserer Selbst sein sollen, zurückweist, eröffnet sie Wege für ein Verständnis menschlicher Wertigkeit, das nicht um Arbeit zentriert ist.

Die 4-Stunden-Liga ist ein Bündnis, das 2016 in Kassel gegründet wurde und sich für radikale Arbeitszeitverkürzung und eine Wiederaneignung unserer Zeit im Hier und Jetzt einsetzt. Unsere Forderungen sind klar und einfach formuliert: Für den 4-Stunden-Tag! Bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Zahlen muss das Kapital!

Warum ChatGPT mit den ‚sozialen‘ Medien als Resonanzraum Rechtsextremismus befördert, Ungleichheit vergrößert und Gemeinschaft zersetzt. Und warum die politische Radikalisierung der BigTech-Protagonisten mehr als nur ein ‚Trump-Effekt‘ ist. Die derzeitige Stärke autoritärer und rechtsextremer Strömungen weltweit fällt zusammen mit einer wachsenden Verunsicherung durch multiple Knisen (Klimazerstörung, Kriege, ökonomische Krise, unaufgearbeitete Pandemie, …) und einem massiven Bedeutungszuwachs ’sozialer‘ Medien innerhalb der letzten fünf Jahre. Algorithmisch verstärkte Polarisierung über Hass, Hetze und Falschinformation zerstört dabei weit mehr als ’nur‘ eine gemeinsame Debattenkultur. Eine Flut von postfaktischem Unsinn (sogenannter Bullshit) zersetzt die Grundlage für politische Willensbildung. Das ist leider kein unschöner Nebeneffekt einer ,neutralen‘ technologischen Entwicklung, sondern vielmehr Teil eines technologischen Angriffs, angetrieben von einer patriarchalen und ideologisch immer offener rechtsextrem auftretenden Tech-Oligarchie. Das Zusammenwirken von Autokratie-Anhängern, Faschisten und reaktionären Tech-Feudalisten erreicht in den USA ein neues Bewegungsniveau. Die ‚Tech-Oligarchie‘ stellt dabei nicht nur Technologien zur Verfügung, die insbesondere rechtsextremen Bestrebungen nützlich sind, sondern befeuert aktiv einen breit angelegten rechten Kulturkampf. Ihr radikal anti-demokratisches Technologieversprechen mit dem Fluchtpunkt einer superintelligenten KI dient dabei als visionäre Fortschrittserzählung, die angesichts einer allgemeinen Utopiearmut in der Mehrfachkrise mehr und mehr verfängt. Eine feministische und antifaschistische Gegenbewegung kann dieses autoritäre Zukunftsprojekt nicht ignorieren. Eine unkritische Nutzung der vermeintlich ’neutralen‘ Technologien als ‚bloße Werkzeuge‘ befördert hingegen deren Normalisierung und damit eine weitere Machtkonzentration dieser ‚Rechtsaußen-Tech-Oligarchie‘.

Das çapulcu redaktionskollektiv ist eine Gruppe technologie-kritischer Aktivist*innen und Hacktivist*innen.

Ob Antifa Ost Verfahren, Repressionen gegen Palästinademos, Debanking linker Vereine, Aufrüstung und Gesetetzesverschärfungen. Die Zeichen stehen auf autoritären Staatsumbau. Gemeinsam mit der Roten Hilfe Hannover wollen wir uns den aktuellen Entwicklungen annehmen und schauen wie gemeinsam getragene Solidarität aussehen kann. Im Anschluss Sokü.

Die Funktion einer Maschine ist, was sie tut. Die digitale Maschine spuckt seit über 20 Jahren regelmäßig und formelhaft Faschismen und Radikalisierung aus. Trumpisierung und Extremismus gewinnen, begegnen möchte man ihnen mit Faktenchecks und Medienkompetenz.  Naives Denken, sagt Simon Strick, denn Faschisierung ist eine Grundtendenz digitaler Medien. Rechtspopulismus und Internet entstanden nicht nur zeitgleich, sie arbeiten mit verwandten Formeln und haben die Öffentlichkeit zum Reaktionären hin transformiert. In seiner so luziden wie materialreichen Analyse kommt der Medienwissenschaftler mit Leo Löwenthal zu dem Fazit: Der demokratische Diskurs befindet sich unvorbereitet und hilflos auf der Fluchtlinie der Faschisierung. Ein Umdenken ist nötig.

Simon Strick ist Kulturwissenschaftler und freier Autor, u. a. beim Performancekollektiv »Panzerkreuzer Rotkäppchen«. Über seine 2021 erschienene Studie Rechte Gefühle urteilte der Deutschlandfunk, das Buch sei »die wohl intelligenteste und umfassendste Darstellung des zeitgenössischen Faschismus«.

Redebeitrag zur Reichspogromnacht

Redebeitrag des AFK37 zum Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938, vom 09.11.2025
Content Warning Antisemitismus, Selbstmord, Shoa


Wir orientieren uns beim Gendern an einer Empfehlung der queerfeministischen jüdischen Gruppe Latkes*Berlin. Wir sagen Juden:Jüdinnen auf diese Weise, weil das Wort „Jude“ in anderen Varianten verschwinden würde, sowie ein Sternchen hinsichtlich des Judensterns unangemessen erscheint. 

Es ist nachgewiesen, dass es in Hildesheim seit dem Spätmittelalter eine jüdische Gemeinde gab. Die Synagoge am Lappenberg wo wir heute enden werden, wurde 1849 eingeweiht. Für die jüdische Gemeinde war sie von großer Bedeutung, denn bevor es diese Synagoge gab, musste sich die Gemeinde in einem Keller für Andachten und Feste treffen. Der Bau der Synagoge bedeutete für Juden:Jüdinnen, dass sie ihren Glauben würdig und öffentlich ausleben konnten.  Bei der Machtübernahme der Nazis lebten 515 jüdische Menschen in Hildesheim, also etwa 0,8% der Bevölkerung Hildesheims. Durch zunehmende Schikanen, Entrechtungen, Verfolgung und Gewalt, mussten viele von ihnen fliehen. Als Beispiel seien die Modegeschäfte in jüdischem Besitz genannt. Vor der Machtübernahme der Nazis waren 60 % der Hildesheimer Modegeschäfte von Juden:Jüdinnen geführt. Bereits 1933 wurden mehrfach die Schaufenster zerstört. Es wurden SA-Männer mit Schildern „Kauft nicht bei Juden“ aufgestellt und ab 1938 viele Geschäfte enteignet und sogenannten „arischen“ Deutschen überschrieben. Es blieben lediglich etwa 5 % der Geschäfte in jüdischem Besitz. 330 Mitglieder der Gemeinde sahen sich gezwungen, nach Palästina, die USA, Südamerika, England, die Niederlanden und Skandinavien zu fliehen. 
Im September 1938 floh dann auch Joseph Schwarz, der letzte Rabbiner der Gemeinde, aus Hildesheim.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die SS in Hildesheim per Telefon angewiesen, die Synagoge am Lappenberg in Brand zu setzen: das Gebäude, das wie kein anderes in Hildesheim für die jüdische Gemeinde und ihre lange Geschichte hier stand. 
Die Feuerwehr hatte Befehl, den Brand nicht zu stoppen, sondern nur die umliegenden Häuser vor den Flammen zu schützen.        
Noch in der Nacht begannen die SS-Männer damit, die verbliebenen jüdische Geschäfte zu zerstören, die Scheiben einzuschlagen und zu verwüsten; das setzten sie am Morgen des 10.November fort. Die Polizei ließ sie gewähren. Es kam zu Plünderungen. 
Die Schüler*innen der jüdischen Schule gegenüber der Synagoge wurden am Morgen des 10. November gezwungen, beim Abriss der letzten Trümmer der Synagoge zuzuschauen. An diesem Morgen wurden 60 Juden verhaftet. Schon im April desselben Jahres war eine Aufstellung ihres Vermögens angefertigt worden. Die Nazis haben sie zuerst im Polizeigefängnis misshandelt und gedemütigt und dann ohne Schnürsenkel und Hosenträger durch die Stadt ins Godehardigefängnis getrieben. Die SS Männer und die Gestapo ließen sie dabei einen Umweg an der ausgebrannten Synagoge vorbei laufen. Einige der Gefangenen blieben im Godehardigefängnis, der Großteil wurde in Lastwagen nach Hannover gefahren und von dort aus mit einem Sonderzug ins KZ Buchenwald gebracht. Bei den meisten von ihnen ist nicht nachzuverfolgen, was ihnen dann widerfuhr. 13 von ihnen kamen aus Buchenwald wieder frei. Viele ergriffen hier nun die letzte Chance zur Flucht.

1942-1945 folgten drei weitere Deportationen. Dabei wurde ein Großteil der verbliebenen Juden:Jüdinnen in das Warschauer Ghetto und nach Theresienstadt transportiert. Von diesen Menschen haben vermutlich nur 4 den Nationalsozialismus überlebt.

Nur 5 der 515 Juden aus dem damaligen Regierungsbezirk Hildesheim, die nicht fliehen konnten, wurden bis Kriegsende nachgewiesenermaße nicht deportiert und blieben in Hildesheim. Über ihre Geschichte ist nicht mehr bekannt.

Es lässt sich erkennen, dass Antisemitismus einer Vernichtungslogik folgt. Es geht dabei in letzter Instanz immer darum, auszulöschen. Er sagt nicht „Ihr seid minderwertig“, sondern „ Ihr seid übermächtig, zerstörerisch. Ihr dürft nicht existieren“. Damit unterscheidet er sich grundlegend von anderen Diskriminierungsformen. Antisemitismus ist eine Ideologie der Auslöschung.
Im Nationalsozialismus wurde die physische Auslöschung jüdischen Lebens bis hin zum industriellen Massenmord, der Shoa, getrieben. Diese bleibt ein beispielloses Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
In Hildesheim wie im Rest vom Deutschen Reich war dieser Antisemitismus nicht nur eine Ideologie der Herrschenden; sie war tief verwurzelt in der Bevölkerung. Das erst schuf den Nährboden; Das erst ermöglichte das Verbrechen der Shoah. 
Nach Kriegsende fand eine Entnazifizierung weder in Behörden noch in der Regierung und auch nicht in den Köpfen der Deutschen statt. Das ist ein Erbe, das Deutschland immer noch tief in sich trägt, das es jedoch verleugnet.
Auch heute ist Antisemitismus weit verbreitet, und zwar nicht nur bei den Nazis! 
Wir denken dabei an das bürgerliche Lager, wo Aiwanger nach Bekanntwerden seiner antisemitischen Pamphlete nicht zurücktreten musste und seine Partei sogar noch an Stimmen gewann. An Querdenker, die sich als Ungeimpfte selbst den Judenstern vergaben. An Esos, die hinter der Schulmedizin eine jüdische Weltverschwörung vermuten. An  Islamisten, die eine Weltordnung ohne Juden:Jüdinnen schaffen wollen. Und auch an Linke, die den 7 Oktober nicht als antisemitisches Massaker anerkennen können. 
Doch es ist verzwickt. Selbst die politische Agenda gegen Antisemitismus ist oft nur Wortklauberei.
Mit dem Begriff „Gedächtnistheater“, der von Y. Michal Bodemann geprägt wurde, lässt sich das gut zeigen. Nach Ende des Krieges hat es noch Jahrzehnte gedauert, bis Deutschland begann, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Nach Jahren der Verleugnung, der Relativierung, des Schweigens über die eigene Beteiligung oder die der Eltern und Großeltern ist es nun endlich so weit. Deutschland ist Erinnerungsweltmeister. Selbsternannt.
An Tagen wie heute geht es vielen gar nicht darum, der Shoah zu gedenken. Es ist ein moralisches Ritual, um uns ein gutes Gewissen zu verschaffen. Es geht nicht um echte Empathie, historische Verantwortung oder Solidarität mit jüdischem Leben. Wie ein Theaterstück wird dieses Ritual vor allem an Gedenktagen aufgeführt. Die Opfer der Shoa und ihre Nachkommen sind dabei nichts mehr als Statist*innen, die auf der Bühne im Hintergrund den Nachkommen der Täter als Hauptdarstellern nicht die Show stehlen sollen. Und nach dem Applaus geht der Vorhang zu und es ist alles wie zuvor; man ist nur ein kleines bisschen reiner gewaschen, ein kleines bisschen weniger schuldig.

Der Autor Max Czollek schreibt mit seinem Buch „Desintegriert Euch“ einen an Juden:Jüdinnen gerichteten Appell, sich der Dynamik des Gedächtnistheaters bewusst zu werden und eigene Handlungsspielräume zu erkennen und zu ergreifen. Und als Nachkommen der Tätergesellschaft? Susann Siegert, die Content-Creatorin mit alias keine.errinerungskultur, fordert in ihrem Buch „Gedenken neu denken“ eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Aber natürlich ganz anders, als das 2017 von Björn Höcke gefordert wurde. Höcke wollte dem Gedenken den Rücken kehren. Siegert fordert uns alle auf, dem Gedenken ehrlicher und selbstkritischer zu begegnen.
Wir können uns zum Beispiel mit Täterschaft in der eigenen Familie auseinandersetzen, indem man Anfragen ans Bundesarchiv stellt, das euch erzählen kann, was eure Großeltern damals getan haben.
Wir können Tage abseits des 9.11. oder des 27.1. wählen, um zu gedenken. Den Tag des Warschauer Ghettoaufstands als Zeichen jüdischen Widerstands zum Beispiel oder morgen. Den 10.11., den Tag nach der Reichspogromnacht, an dem niemand der normalen deutschen Bürger einschritt, als jüdische Geschäfte verwüstet wurden. Und sich sogar an den Plünderungen beteiligte.
Wir können uns in unserer Umgebung umsehen. Denn es gab nicht nur Auschwitz oder Buchenwald. In Deutschland gab es mehr als 1000 KZ-Außenlager, zum Beispiel auch in Hildesheim in der ehemaligen Stadthalle. Die Verbrechensorte des Nationalsozialismus nur auf die großen, bekannten zu verschieben, bedeutet, dass auch die Schuld externalisiert wird.  Dieses Gedenken kann nicht ehrlich und empathisch sein, weil es ganz weit weg und nicht nah dran, in der Hildesheimer Innenstadt, gedacht wird. Wenn wir sagen: „Die Verbrechen, die sind ganz weit weg passiert. Das waren die anderen, nicht meine Familie, nicht in meiner Stadt“ – dann sprechen wir uns auch frei von einer ernst gemeinten Verantwortung. 

Ein Beispiel für unbekanntere Geschichten aus Hildesheim wollen wir euch an dieser Stelle noch erzählen:
Und zwar die Geschichte von Berta Cassler. 
Berta Cassler war Jüdin und Textilverkäuferin. Ihre Tochter heiratete einen nichtjüdischen Mann und lebte mit ihm in der Osterstraße 3. Berta Cassler lebte auch bei ihnen und konnte sich so zuerst der Verfolgung entziehen. Als sie am 7. Juni 1942 wegen einer kleinen Operation ins Bernwardskrankenhaus musste, wurde sie dort von einer Person als Jüdin identifiziert und musste sofort die Station verlassen. Sie sollte dann einen Judenstern als Erkennungszeichen tragen, weigerte sich aber. Um diesem Zwang und der drohenden Deportation zu entgehen, nahm sich Berta Cassler selbstbestimmt direkt nach dem Krankenhausaufenthalt das Leben. Dank eines deutschen Nachbarn der Familie, der ein Bestattungsinstitut hatte, konnte sie nachts heimlich auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. 
An dieser Stelle wollen wir mit den Recherchen von zwei lokalen Journalisten und damit nach all der Kritik am Gedächtnistheater ein positives Beispiel der Gedenkarbeit hervorheben. Dank Vereinen wie „Vernetzes Errinern Hildesheim“ und anderen Geschichtswerkstätten, ist es uns heute möglich, an den verschiedenen Stolpersteinen nicht nur die ritualisierte Reinigung der Stolpersteine – als Reinigung des eigenen Gewissens-vorzunehmen, sondern uns konkret mit den Menschen und Schicksalen dahinter auseinanderzusetzen.  

In Hildesheim, wo am Galgenberg heute noch ein riesiges Kriegerdenkmal in Form eines Landser (also deutschen Soldaten) über der Stadt thront; wo man über die Agnes-Miegel-Straße, die Bückebergstraße oder den Hindenburgplatz flanieren kann, wo man bei Bosch wieder wie 1945 Panzeranlasser baut und die geschichtsrevisionistische AfD immer mehr Stimmen bekommt, ist ein Gedenken mit Inhalt und somit auch politischer Forderung notwendig. Die Stadt macht mit ihrer Ausstellung „Hildesheim: Blüte, Zerstörung, Wiederaufbau“ im RPM jedoch genau das Gegenteil. Man beweint hier die Bombardierung Hildesheims, ohne historisch einzubetten, warum die Bomben fallen mussten. 
Während an Tagen wie dem 9.11. in ganz Deutschland die Politiker*innen meist inhaltsleere Phrasen dreschen, faschisiert sich Deutschland wieder. Das Militär wird aufgerüstet. Die AfD kratzt in Umfragen für die Landtagswahl in Meck Pom an den 40 %. 

Heute sind die Flaggen am Rathaus auf Halbmast, Politiker*innen erzählen was von Brandmauer, es gab den Aufstand der Anständigen und dennoch müssen wir uns fragen: Wer steht denn auf der Straße, wenn die Faschos aufmarschieren? Wenn Gaststätten Schilder mit „Juden Raus“ anbringen? Und wenn Deutschland die grandiose Idee hat, mal wieder eine gewaltige Armee aufzurüsten?  
Aus diesem Grund wiegen wir uns mit euch Antifaschist*innen in besserer Gesellschaft. Wir freuen uns, mit euch heute einen Gedenkspaziergang zu gestalten, der hoffentlich zum Nachdenken und Aktivwerden anregt und nicht nur hohle Phrase ist. 
Wir sind dabei natürlich nicht die besseren Erinnerungsweltmeister und wollen weiterhin lernen. Falls ihr Kritik oder Anregungen habt, könnt ihr uns jederzeit kontaktieren. 
Zu guter Letzt soll uns der Schwur von Buchenwald mahnen: Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg!

Quellen: https://vernetztes-erinnern-hildesheim.de/wp-content/uploads/Jan_Katastrophe_Hildesheimer_Juden.pdf
https://pogrome1938-niedersachsen.de/hildesheim/
https://www.stadt-hildesheim.de/portal/seiten/stolpersteine-900000468-33610.html
Siegert, Gedenken neu Denken, Piper Verlag
Prauss und Häger, Verfolgt, ermordet – unvergessen 101 Stolpersteine in Hildesheim, Gerstenbergverlag
Overesch, Bosch in Hildesheim 1937-1945, Vandenhoeck & Ruprecht
Czollek, Desintegriert euch, Hanser Verlag
Teich, Hildesheim und seine Antifaschisten
Thimm, Spuren des Nationalsozialismus in Hildesheim
Schmid, Hildesheim in der Zeit des Nationalsozialismus, Gerstenbergverlag
Bodemann, Die erfundene Gemeinschaft, Verbrecher Verlag
Bodemann, Gedächtnistheater, Rotbuch Verlag
Siemer, Das Mahnmal für die Synagoge am Lappenberg in Hildesheim, Entstehung, Gestalt, Deutung, Bernward Verlag

Unlearn Maskulinity – Feministische Reihe

Mit Klick auf die PDF öffnet sich der Flyer für unsere VA-Reihe zu Antifeminismus, Männlichkeiten und Umgang mit Sexualisierter Gewalt.

Die noch ausstehenden Veranstaltungsorte:

10.04.2025 Jana Haskamp – Feministische Beziehungen und Männlichkeit:

Gewerkschaftshaus, Osterstr 39 – 2 OG – Torhaussaal

+++ 27.04 Community Awareness ENTFÄLLT +++

19.05 Jeja Klein – Hass den Sexismus, aber hab gefälligst Sex:

Theatherhaus Hildesheim, Langer Garten 23c – Foyer

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Querdenken-Aufmarsch verhindern!

Was geht?

Am 27.04 will die Querdenkerszene aus ganz Deutschland in Hildesheim aufmarschieren. Organisiert wird das ganze von der „Roten Linie Hildesheim“, jenem Trümmerhaufen, der jeden Montagabend durch Hildesheim zieht und rechte Propaganda verbreitet. Das ganze läuft unter dem Motto „Hildesheim 2.0“ was auf den vergangenen Aufmarsch im Herbst letzten Jahres hinweist, an dem sich bis zu 400 Personen beteiligten. Auch dieses mal ist wieder mit einer größeren Beteiligung und Anreise aus verschiedenen Städten zu rechnen. Was wollen die?Inhaltlich hat sich die Querdenkenszene immer weiter nach rechts bewegt, so laufen sie in Hildesheim mit „Opas gegen Links“ oder „Stoppt den Genderwahn“ Schildern durch die Stadt. Sie sympathisieren offen mit der AfD, Russland und Verschwörungserzählungen, die vor Antisemitismus strotzen. Auch wenn sie eine kleine Szene sind, ihre Straßenpräsenz ist eine der penetrantesten des neurechten Spektrums.

 Und die Gesellschaft?

Der Rechtsruck scheint uns zu überrollen. Während kurz Hoffnung durch die aufkeimenden Massenproteste gegen die AfD aufkam, merken wir trotzdem jeden Tag im Netz, auf der Arbeit und Überall die sich immer weiter ausbreitende Pest des Faschismus. Jugendliche die sich jeden Tag rechtsextreme TikToks reinziehen, Arbeitskollegen die offen darüber sprechen man solle die Grünen an die Wand stellen, eine Bundesregierung, die Geflüchtete lieber tot als in Sicherheit sehen will, ganze Polizeieinheiten die Hakenkreuze in ihren Whatsappchats haben. Wir sind den ganzen Mist leid! 

Was tun?

Es liegt an uns Antifaschist*innen, konsequenter denn je für eine solidarische Gesellschaft und gegen den Faschismus einzustehen. Wir wollen uns mit aller Kraft den Feinden des guten Lebens für Alle in den Weg stellen. Eine Möglichkeit bietet sich am 27.04 im Protest gegen den Querdenken Aufmarsch in Hildesheim. Wir laden alle Antifaschist*innen ein nach Hildesheim zu kommen und Dampf abzulassen! Eure Faschos kommen an dem Tag auch hier her, also sind auch die Antifas anderer Regionen herzlich eingeladen an diesem Tag gemeinsam mit uns Querdenken von der Straße zu fegen!Haltet euch den Tag frei! Kommt nach Hildesheim und beteiligt euch an den vielfältigen Aktionen gegen den Aufmarsch. Es wird für Alle was dabei sein. Infoupdates, Aktionstrainings und Plenatermine folgen. 

Ran.. es gilt!

AFK Hildesheim

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27.01. & 28.01.2024: Auf die Straße gegen den Faschismus!

Der 27.01 markiert den Gedenktag an die Opfer des Nationalismus, nachdem vor 78 Jahren das KZ Ausschwitz von der Roten Armee befreit wurde. Wir wollen in einem gemeinsamen Audio-Walk durch die Hildesheimer Nordstadt auf die Spurensuche des Nationalsozialismus in Hildesheim gehen und durch das Reinigen von Stolpersteinen und Niederlegens von Blumen den Opfern gedenken.
Wir leben in Zeiten, in denen sich die Krisen des Kapitalismus immer weiter zuspitzen und unsere Klasse unter immer härteren Krisen und Kriegen zu leiden hat, währenddessen unser Planet in nahezu ungebremsten Tempo zerstört wird. Dieser Zeiten bekommen faschistische Kräfte weltweit Zulauf, was sich in Deutschland in Form des Aufstiegs der AfD erkennen lässt. In Gesellschaft sind Abschiebung und Aufrüstung mittlerweilen positiv besetzte Begriffe. Unsere Klasse in Schwarz und Weiß zu teilen und gegeneinander auszuspielen, den Klimawandel zu leugnen, eine Politik für den weißen alten hetero Mann zu machen, das sind die Punkte der AfD. Sie spitzen damit jedoch nur zu, was ohnehin unter den Herrschenden im Kapitalismus, auch unter der Ampelregierung besteht: Rassistische Politik insbesondere in Hinblick auf die Migration, Beschneidung und Entrechtung Armer siehe Bürgergelddebatte, eine unambitionierte Klimapolitik, eine Aufrechterhaltung des Patriarchats, sowie Militarisierung und Kriegsverherrlichung.
Unserem Planeten, unserer Klasse und dem Schwur von Buchenwald folgend, ist es unsere Pflicht den Faschismus in seinen Wurzeln zu vernichten. Kommt deshalb mit uns zwei mal auf die Straße: Am Sonntag im Gedenken an das was war, sowie am Samstag gegen den drohenden kommenden Faschismus und den rassistischen Normalzustand!

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Take Back the Night!

Am Montag den 24.07.2023 um 20:30 Uhr rufen wir euch auf mit uns unter dem Motto „Take back the night“ auf die Straße zu gehen. Es folgt der Aufruf:

CN Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt

In der Nacht vom Samstag den 08.07. wurde eine Frau in der Hildesheimer Innenstadt vergewaltigt. Direkt neben der Fußgängerzone, während Passant*innen vorbei liefen. Eine Anwohnerin bemerkte dann doch noch die Situation. Sie rief die Polizei und sprach wiederholt Leute an, die vorbei gingen. Sie forderte sie zur Hilfe auf, aber niemand schritt ein. (Quelle: Hildesheimer Allgemeine)

Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Oft passiert sie im Privaten, die meisten Fälle sexualisierter Gewalt finden im eigenen Haushalt statt. Aber auch außerhalb der Wohnung finden Übergriffe statt. Angefangen bei Blicken und Catcalling endet die patriarchale Gewalt in Vergewaltigungen und Femiziden. Dabei soll nicht vergessen werden, dass trans Frauen überdurchschnittlich oft von patriarchaler Gewalt betroffen sind und auch Rassismus hierbei eine große Rolle spielt. Im Patriarchat können Männer Frauen unterdrücken und benutzen, um ihre Macht zu demonstrieren. Das ist weder ein individuelles Problem, noch begründet in „unkontrollierbaren männlichen Trieben“. Die Gesellschaft schreibt Männern grundsätzlich eine Machtposition zu, die sie auf verschiedenste Arten ausnutzen. Frauen in Abhängigkeit von Männern zu halten ist im Interesse des kapitalistischen Systems, denn so werden Frauen zur unbezahlten Reproduktionsarbeit gedrängt. Das heißt sie machen Sorgearbeit für die Männer im Haushalt (Partner, Vater, etc.), sodass diese körperlich und psychisch in der Lage sind, immer weiter zu lohnarbeiten. Außerdem ziehen Frauen Kinder groß, die dann auch lohnarbeiten können. Natürlich arbeiten Frauen zusätzlich zu  dieser Sorgearbeit auch selbst für Lohn, aber oftmals haben sie wegen der Sorgearbeit, die sie gleichzeitig leisten müssen, nicht die Möglichkeit, sich aus der Abhängigkeit zu lösen. Dazu kommt dann etwa, dass Frauen immernoch schlechter verdienen als Männer und so weiter. Diese materielle Abhängigkeit wirkt sich auch kulturell und gesellschaftlich aus, schließlich muss sie ja begründet werden. Dazu wird die Gleichung Mann=Stark Frau=Schwach in verschiedensten Formen immer und immer wieder aufgestellt. Es wird so getan, als wäre das einfach die „Natur“ der Geschlechter. Die materielle Abhängigkeit ist grundsätzlich patriarchale Gewalt. Durch die Naturalisierung des Geschlechterverhältnisses wird die Gewalt gerechtfertigt.Und hier kommt noch eine wichtige Ergänzung, denn patriarchale Gewalt trifft nicht nur Frauen. Bisher haben wir in diesem Text von der Struktur des kapitalistischen Patriarchats geredet und davon, wie dieses sich ideologisch rechtfertigt. Aber es gibt ja nun nicht nur Männer und Frauen – was also tut das unterdrückerische System? Es bleibt trotzdem bei den zwei Kategorien „Mann/stark/Geist/weiß/normal“ und „Frau/schwach/Körper/nicht-weiß/anders“; und alles was nicht in die erste Kategorie passt, muss eben in die zweite, egal ob die Person jetzt cis, trans oder nicht-binär ist.  Solange das Patriarchat existiert trifft geschlechtsspezische Gewalt alle, die in die zweite Kategorie eingeordnet werden. Solche Gewalt trifft deshalb auch oft Menschen, die selbst nicht in diese Kategorien passen. Auch Polizei und Sicherheitsbehörden bieten keinen Schutz vor patriarchaler Gewalt, denn ihre Macht beruht auf dem kapitalistischen System, und dieses System muss um jeden Preis patriarchale Gewalt erhalten.Es macht sprachlos und wütend, wenn man liest, dass bei der Tat vom letzten Samstag mehrere Passant*innen einfach vorbeigelaufen sind ohne etwas zu unternehmen. „Frauen, hört ihr Frauen schrein: Lasst die Andere nicht allein!“ An diesen Spruch angelehnt fordern wir alle auf, aufmerksamer durchs Leben zu laufen und aufeinander Acht zu geben. Als Nachbar*innen, Freund*innen, Kolleg*innen oder auch nur als Vorbeilaufende: Wenn wir uns nicht gegenseitig schützen, dann macht es niemand. Kommt mit uns am 24.07. um 20:30 auf die Straße. Wir wollen zeigen, dass wir zusammenstehen und uns gemeinsam auflehnen gegen die Gewalt, die dieses kapitalistische und patriarchale Drecksystem nutzt, um uns kleinzuhalten. Wir wollen allen Tätern da draußen zeigen, dass wir uns verteidigen können.

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Ascq

In der französischen Stadt Ascq wurde während des zweiten Weltkriegs von SS-Soldaten ein Massaker an der männlichen Bevölkerung begangen. Am 1. April 1944 gab es einen Anschlag der Resistance auf den Bahnhof von Ascq, wegen dem zwei Zugwägen voll mit Kriegsmaterial für die Nazis verunglückten. Als Antwort auf diesen antifaschistischen Akt des Widerstands versammelten die SS Offiziere alle Männer des Ortes und verprügelten und erschossen sie. So wurden 86 Männer umgebracht und hunderte schwer verletzt.

Unter den SS Soldaten war auch Karl Münter aus Nordstemmen bei Hildesheim. 2018 führte der NDR mit ihm noch ein Interview, in dem er sagte, er würde nichts bereuen. Mittlerweile ist der Naziverbrecher gestorben und liegt auf dem Friedhof in Nordstemmen.

Als Hildesheimer Antifaschist*innen sehen wir es als unsere Pflicht, so oft wie möglich im wörtlichen und übertragenen Sinne auf sein Grab zu spucken. Das heißt für uns, alles dafür tun, um zu verhindern, dass es einen wie ihn noch einmal geben kann. Wir kämpfen dafür gegen Faschos und ihre Organisationen aber auch gegen einen gesellschaftlichen Rechtsruck und alle autoritären Sehnsüchte. Der Besuch in Ascq erinnert uns an diesen Kampf und an das, was dabei auf dem Spiel steht.

Erinnern heißt Kämpfen!

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Wir sind alle 129!

Gestern fiel das Urteil im „Antifa Ost Verfahren“, in welchem nach jahrelanger Schikane und hetzerischer Berichterstattung mehrere Genoss*innen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, weil diese konsequenten Antifaschismus betreiben haben sollen. In Solidarität mit allen von Repression Betroffenen, sowie als Zeichen gegen den Bullenstaat, bewegte sich am Abend spontan ein Antifa Mob durch die Hildesheimer Innenstadt.

Hinter dem Banner „Wir sind alle 129“ versammelten sich 40 Antifas, die vermummt und unter Einsatz von Fackeln, Rauch, Böllern und Raketen für reichlich Stimmung sorgten. Etwa 30 Minuten zogen wir ohne Bullen durch die Stadt, ehe sich der Mob auflöste.

Wir haben damit ein für Hildesheim wichtiges Zeichen gesetzt: Es gibt eine Antifa auch in unserer kleinen Stadt! Wir spielen nach unseren Regen und sehen unsere Position in den Reihen aller Antifaschist*innen in Deutschland, Europa und der Welt.

Am Samstag sehen wir uns in Leipzig! Der Staat zeigt seine Zähne, sorgen wir für Zahnausfall!

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Bannerdrops

Heute in aller Früh haben Aktivist*innen in ganz Hildesheim Banner platziert, um ihre Solidarität mit allen, die von staatlicher Repression betroffen sind, auszudrücken. Lina E., die anderen Angeklagten im Antifa Ost Verfahren, die kurdische Freiheitsbewegung oder nun die Letzte Generation: Sie alle werden von Staat und Klassenjustiz verfolgt und aufs Schärfste verurteilt.

Auf wessen Seite steht ein Staat, der Kampfe für das Klima, für Demokratie und gegen Neonazis kriminalisiert? Wir kennen die Antwort.

Und kämpfen weiter.

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TAG X!

Heute ist Tag X!

Soeben wurde das Urteil im Antifa Ost Verfahren gesprochen und Lina, sowie weitere Angeklagte mit langen Haftstrafen dafür verklagt konsequent gegen Neonazis vorzugehen. Doch es ist nicht nur ein Schlag gegen Lina und eine einzelne Gruppe, sondern ein Angriff auf die gesamte Antifaschistische Aktion. Das Urteil muss in eine Reihe von krasser Repression gegen Antifas und Linke in Deutschland eingeordnet werden. Speziell im Antifa Ost Verfahren sei noch die Rolle des Verräters und Täters Johannes Domhöver zu nennen, der mit dem Staat und der Klassenjustiz kooperierte.

In Hildesheim wurden heute morgen um 6.30 vier Banner in Solidarität mit der Antifa Ost und der Letzten Generation aufgehängt. Es folgen sicher noch weitere Aktionen! Seid auch selbst kreativ und bringt eure Wut zum Ausdruck. Wenn ihr dabei Support braucht, wendet euch an uns.

Am Samstag findet in Leipzig dann eine bundesweite Demo/dezentrale Aktionen statt. Informiert euch auf

de.indymedia.org

Der Staat zeigt seine Zähne, sorgen wir für Zahnausfall!

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