
In Hildesheim wurden am 19.04.2026 27 neue Stolpersteine verlegt, die an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern. Erstmals wird hierbei in Hildesheim Opfer- und Verfolgtengruppen gedacht, die noch immer am Rande der deutschen Erinnerungskultur stehen: So werden drei Stolpersteine für Personen aus dem Widerstand verlegt. Außerdem gedenkt ein Stolperstein einer wegen „homosexuellen Handlungen“ verfolgten Person.
Besonders hervorheben wollen wir die Verlegung des Stolperstein für Albert Reinert aus dem Arbeiterwiderstand in der Nordstadt, die unter Beteilung von Familienangehörigen stattfand. Er war Teil der Widerstandsgruppe „Ran“. In seiner Wohnung im Bischofskamp 2 fanden die Treffen der Gruppe statt, in denen die Druckschrift „Ran, Zeitschrift revolutionärer Marxisten“ geplant wurde. Als Einheitsfront riefen SPD und KPD Mitglieder gemeinsam in der Zeitschrift auf: „Ran! Das ist unser Losungswort, es soll aber auch Parole für unsere zukünftigen Kämpfe sein.“

1933 wurde Albert Reinert für die Verteilung von Flugblättern verhaftet und kam für acht Monate ins Godehardigefängnis. 1943 wurde er zum berüchtigten Strafbatallion 999 eingezogen, in dem er sein Leben lassen musste.
Als Hildesheimer Antifaschist*innen würdigen wir diesen Widerstand und machen den Aufruf „Ran, es gilt!“ zum Leitbild unserer aktuellen Kämpfe.
